Matter soll Geräte verschiedener Hersteller in einem Smart Home zusammenbringen – und für Home Assistant ist der Standard besonders interessant. Denn Home Assistant kann selbst als Matter-Controller arbeiten und Matter-Geräte lokal über WLAN oder Thread steuern.
Seit dem Start von Matter 1.0 im Oktober 2022 hat sich viel getan. Der aktuelle Stand ist Matter 1.5.1 aus März 2026. Matter 1.5 hatte zuvor unter anderem Kameras, Video-Türklingeln, Verschlüsse, Bodensensoren und erweiterte Energiemanagement-Funktionen ergänzt.
Was ist Matter?
Matter ist ein herstellerübergreifender Smart-Home-Standard der Connectivity Standards Alliance (CSA). Er definiert, wie kompatible Geräte eingerichtet, angesprochen und zwischen verschiedenen Smart-Home-Plattformen geteilt werden können.
Wichtig: Matter ist kein eigenes Smart-Home-System. Du brauchst weiterhin einen Controller – zum Beispiel Home Assistant, Apple Home, Google Home, Amazon Alexa oder Samsung SmartThings.
Warum Matter für Home Assistant interessant ist
Home Assistant verfolgt ohnehin einen herstellerübergreifenden Ansatz. Matter passt genau dazu: Ein Gerät muss nicht für jeden Hersteller eine eigene Cloud-Integration besitzen, sondern kann über einen gemeinsamen Standard eingebunden werden.
Home Assistant betreibt dafür einen eigenen Matter Server. Die Matter-Integration verbindet Home Assistant mit diesem Controller. Bei Home Assistant OS lässt sich der offizielle Matter Server direkt über die Einrichtung der Matter-Integration installieren.
Matter Server 9.0: der große Home-Assistant-Sprung 2026
Seit Juni 2026 läuft die neue Matter-Generation in Home Assistant über die Matter Server app 9.0. Sie basiert auf matter.js und ersetzt den früheren Python-basierten Server kompatibel. Bestehende Daten werden beim Update automatisch migriert.
Home Assistant nennt unter anderem schnellere Starts und Wiederverbindungen, zuverlässigere OTA-Updates, zusätzliche Sicherheitsprüfungen und eine neue Netzwerkvisualisierung als Vorteile. Home Assistant und der Open Home Foundation Matter Server sind seit 2025 von der Connectivity Standards Alliance zertifiziert.
Matter über WLAN oder Thread
Matter beschreibt die Anwendungsebene – für den eigentlichen Transport nutzen Geräte unter anderem WLAN oder Thread.
- Matter over Wi-Fi: Das Gerät verbindet sich mit deinem normalen IP-Netzwerk. Ein zusätzlicher Thread Border Router ist nicht nötig.
- Matter over Thread: Das Gerät nutzt ein stromsparendes Thread-Mesh. Dafür brauchst du einen Thread Border Router, der das Thread-Netz mit deinem Heimnetz verbindet.
Thread ist nicht „das neue Zigbee“ und auch keine Variante von Zigbee. Beide sind eigenständige Funk-/Mesh-Technologien. Matter kann Thread nutzen, während klassische Zigbee-Geräte nicht automatisch Matter-Geräte sind. Wenn du zwischen beiden Welten entscheiden möchtest, hilft dir unser Home-Assistant-Zigbee-Guide mit ZHA und Zigbee2MQTT.
Was ist ein Thread Border Router?
Ein Thread Border Router verbindet das Thread-Netzwerk mit deinem normalen IP-Netz. Das kann beispielsweise ein geeigneter Hub oder Adapter sein. Home Assistant kann auch vorhandene Thread-Netze anderer Ökosysteme nutzen, sofern die Zugangsdaten korrekt geteilt beziehungsweise importiert werden.
Ein Thread Border Router ist nicht automatisch der Matter-Controller. Die Rollen können auf unterschiedlichen Geräten liegen.
Wichtig für Home-Assistant-Hardware: Home Assistant Yellow sowie Connect ZBT-1 und Connect ZBT-2 laufen ab Werk mit Zigbee, nicht mit Thread. Die Umstellung auf Thread erfordert aktuell manuelle Schritte; die Home-Assistant-Dokumentation bezeichnet die eigene Thread-Integration weiterhin als „work in progress“.
Matter-Gerät in Home Assistant hinzufügen
- Home Assistant auf einen aktuellen Stand bringen.
- Unter Einstellungen → Geräte & Dienste die Matter-Integration hinzufügen.
- Bei Home Assistant OS den offiziellen Matter Server einrichten.
- Das neue Matter-Gerät in den Kopplungsmodus bringen.
- In der Home-Assistant-Companion-App auf Android oder iOS den Matter-QR-Code scannen beziehungsweise den Setup-Code verwenden.
- Gerät einem Raum zuordnen und anschließend in Automationen verwenden.
Auf der Verpackung eines Matter-Geräts findest du üblicherweise das Matter-Logo und einen Setup-Code beziehungsweise QR-Code.
Multi-Admin: ein Gerät in mehreren Systemen
Ein großer Vorteil von Matter ist Multi-Admin. Ein kompatibles Gerät kann in mehreren sogenannten Fabrics beziehungsweise Smart-Home-Systemen eingebunden sein. So kann dasselbe Gerät beispielsweise in Home Assistant und parallel in Apple Home oder Google Home verfügbar sein.
Das bedeutet nicht, dass alle Systeme exakt dieselben Funktionen darstellen. Welche Features tatsächlich nutzbar sind, hängt vom Gerät, der Matter-Version und der jeweiligen Plattform ab.
Matter Bridges: bestehende Geräte weiterverwenden
Eine Matter Bridge kann Geräte eines anderen Protokolls nach außen als Matter-Geräte bereitstellen. Das ist besonders interessant für bestehende Zigbee-Systeme.
Home Assistant nennt beispielsweise IKEA DIRIGERA, Aqara-Hubs, SwitchBot Hub 2 und Philips Hue Bridge als Beispiele. Dadurch kannst du etwa Zigbee-Geräte am DIRIGERA Hub behalten und trotzdem in Home Assistant einbinden.
Das ist bequem, aber nicht immer die beste Variante: Eine native Home-Assistant-Integration kann mehr Funktionen anbieten als die Matter-Abbildung. Home Assistant nennt selbst die Hue Bridge als Beispiel, bei der die native Integration umfangreicher ist.
Matter und IKEA
IKEA ist inzwischen ein gutes Beispiel für Matter in der Praxis. Der DIRIGERA Hub kann als Matter Bridge dienen und bestehende IKEA-Zigbee-Geräte in Matter-Systemen verfügbar machen. Mehr dazu findest du in unserem Guide IKEA TRÅDFRI mit Home Assistant.
Matter und Home Assistant: Vorteile
- lokale Kommunikation ohne zwingende Hersteller-Cloud
- herstellerübergreifende Geräteintegration
- einfacheres Pairing per QR-Code
- Multi-Admin für parallele Nutzung mehrerer Systeme
- Bridges für bestehende Zigbee-Ökosysteme
- gute Ergänzung zu Home Assistants offenem Ansatz
Was Matter nicht löst
Matter bedeutet nicht automatisch, dass jedes Gerät in jedem System exakt gleich funktioniert. Hersteller können zusätzliche Funktionen anbieten, die im Matter-Gerätemodell nicht abgebildet werden. Deshalb lohnt sich bei komplexeren Geräten weiterhin der Vergleich zwischen Matter und einer nativen Integration.
Auch Zigbee, Z-Wave und proprietäre Systeme verschwinden nicht. Home Assistant kann gerade deshalb stark sein, weil es Matter zusätzlich zu diesen Technologien unterstützt.
Matter 1.5 und 1.5.1: Stand 2026
Matter 1.5 wurde im November 2025 veröffentlicht und brachte unter anderem Unterstützung für Kameras und Video-Türklingeln, Verschlüsse, Bodensensoren sowie neue Energiemanagement-Funktionen. Matter 1.5.1 folgte im März 2026 und verbesserte vor allem Kamera- und Medienfunktionen sowie die Flexibilität bei Installationen.
Damit wächst Matter deutlich über die ursprünglichen Basisgeräte wie Lampen, Steckdosen und Sensoren hinaus.
Unser Fazit
Für ein Smart Home rund um Home Assistant ist Matter kein Ersatz für alles, sondern ein weiterer sehr wichtiger Baustein. Der größte Vorteil liegt darin, Geräte unterschiedlicher Hersteller lokal und standardisiert in Home Assistant zu bringen – ohne sich auf ein einzelnes Ökosystem festzulegen.
Für neue Geräte würden wir Matter deshalb immer mit in die Kaufentscheidung einbeziehen. Bei bereits vorhandenen Geräten lohnt sich dagegen oft die native Home-Assistant-Integration oder die direkte Zigbee-Anbindung mehr als ein erzwungener Wechsel auf Matter.
Stand: Oktober 2026. Grundlage sind die aktuellen Spezifikationsmeldungen der Connectivity Standards Alliance sowie die offizielle Home-Assistant-Dokumentation zu Matter und Thread.
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